Do what you can, with what you have, where you are.

Auch wenn es Dir gerade schlecht geht: Dein wahres Selbst ist kugelsicher

Auch wenn es Dir gerade schlecht geht: Dein wahres Selbst ist kugelsicher

Es gab Zeiten in meinem Leben, da fühlte ich mich so zerbrechlich wie ein rohes Ei. Keine harte Schale, kein dickes Fell, sondern schutzlos, ausgeliefert und ständig in Gefahr. Ich dachte alles mögliche könnte mich zerbrechen. Gesten, Worte, Blicke, Gedanken – sogar meine eigenen.

 

Es gibt diese Momente, in denen man glaubt, man zerbricht in tausend Stücke. „Da ist etwas in mir zerbrochen“ sagen manche. Man glaubt, man hält nicht stand. Und manchmal ist man danach auch anders als zuvor.

Ich war die letzte in meinem Freundeskreis, die einen Freund hatte. Damals mit 14, 15, 16 gab es nichts wichtigeres. Wer in einer Beziehung war, der war liebens- und begehrenswert. Es war das Gütesiegel schlechthin. Ich war ziemlich schüchtern und fühlte mich gegenüber den anderen Mädchen nicht konkurrenzfähig. Mein „Misserfolg“ bei den Jungs gab mir ja schließlich recht. Ich dachte oft darüber nach, was mit mir nicht stimmen würde. Meine damalige beste Freundin sah mich einmal mitleidig an und sagte: „Warum will dich bloß keiner?“.

Da fühlte ich etwas in mir zerbrechen.

Irgendwann hatte ich einen Freund und war so stolz. Er sah gut aus und hatte ein paar Verehrerinnen. Irgendwann kam ich auf einer Party von der Toilette und sah ihn mit einem anderen Mädchen tanzen. Als ich zu den beiden lief und mich neben sie stellte, grinste er mich an und küsste das Mädchen auf den Mund.

Da fühlte ich etwas in mir zerbrechen.

Für eine Tanzaufführung in der Schule wurden die Tanzpaare ausgelost. Der Junge, der meinen Namen gezogen hatte, rief „Immer ziehe ich die Niete“ und alle lachten.

Da fühlte ich etwas in mir zerbrechen.

Während der ersten Panikattacken am Anfang meiner Angststörung wurde mir manchmal gesagt, ich solle mich gefälligst mal zusammenreißen. Ich sei ja nicht normal und würde mich anstellen. Ich würde damit ja noch meinen Freund in die Flucht schlagen. Und je mehr ich mich versuchte zusammenzureißen, desto mehr zerriss etwas tief in mir.

Ich habe so oft etwas in mir zerbrechen gefühlt. Wäre ich eine Vase, wäre ich bestimmt längst in tausend Teile zersplittert.

Aber ich bin noch da und bin noch ganz.

Genau so wie Du.

Wie kann das sein?

Die Seele aus ayurvedischer Sicht

Wer Probleme mit seiner Psyche hat, der fühlt sich oft als wäre er kaputt. Schleppt seinen scheppernden Körper und seine klappernde Psyche auf die Couch eines Psychologen und hofft darauf, dort wieder repariert zu werden.

Im Ayurveda ist die Sachlage anders. Das ayurvedisch-psychische Modell der psychologischen Struktur ist wahnsinnig vielschichtig und kompliziert. Unser Geist besteht demnach aus mehreren Schichten, die sich gegenseitig beeinflussen und sich immer wieder verändern können. Doch in diesem ganzen Durcheinander gibt es einen Fixstern, der so hell leuchtet wie die Sonne: Die Seele. Im Ayurveda spricht man von „Jivatman“. „Jiva“ bedeutet „Energie“, „Lebenskraft“ oder „individueller Seelenanteil“. „Atman“ steht für „Lebenshauch“ und für das Göttliche im Individuum. „Jivatman“ könnte man sozusagen als „lebendiges, energievolles Selbst“ übersetzen.

In der Bhagavad Gita gibt es einen wunderschönen Satz, der die Seele beschreibt:

„Das Selbst wird nie geboren und es stirbt zu keiner Zeit. Es ist immerwährende, ungeboren, ewig, uralt und wird nicht zerstört auch wenn der Körper vernichtet wird.“

Jivatman ist unveränderbar, ewig und vor allem unverletzlich. Es ist unser ureigenes, unzerstörbares und reines Potenzial. Es ist die kugelsichere Weste, die uns all das überstehen lässt, was uns schon passiert ist  und die uns helfen wird auch das zu überstehen, was kommt.

Ich finde dieses Konzept unglaublich gut. Denn es bedeutet, dass du niemals „kaputt“ bist, egal wie sehr du auch immer am Boden liegst. Es gibt eine kleine, helle Flamme in dir, die niemals erlöschen kann. Dein tiefster Wesenskern ist unverwundbar, auch wenn du ihn vielleicht gerade nicht sehen kannst, ist er da.

Und falls du dir jetzt sagst, ist ja alles Blödsinn, hinduistisches Blabla oder Eso-Kacke …

… denk daran, was du in deinem Leben bisher alles gemeistert hast. Egal, wie schlimm es war – auch wenn du dachtest dein Herz explodiert vor Schmerz – du hast es doch überstanden, oder?

Du bist noch da.

Wir können alles überstehen, weil wir müssen.

Wir können alles tun, weil wir wollen.

Ganz tief in uns drin gibt es ein reines helles Licht.

Und das ist kugelsicher.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*