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Schluss mit der Angst – So wirst Du richtig frei

Schluss mit der Angst – So wirst Du richtig frei

Sieh‘ der Furcht in die Augen und sie wird zwinkern. (Russisches Sprichwort)

Wenn Gefühle Räume wären, in denen man sich aufhalten oder durch die man hindurchgehen kann, dann wäre die Freude vielleicht ein Tanzsaal. Aber die Angst wäre auf jeden Fall ein kleines enges Kellerloch mit einer eingebauten Todesfalle wie bei Indiana Jones, wenn die Wände plötzlich immer näher kommen.

Alle Gefühle haben Entsprechungen in unserem Körper. Während die guten Gefühle uns „weit“ machen – viel Platz im Brustkorb, volle Lungen, entspannte Schultern, tiefer Atem – sorgen negative Gefühle und allen voran die Angst für Enge. Die Schultern rollen nach vorne, dein Brustkorb drückt sich zusammen, der Atem geht schnell und flach, Dein Kiefer ist angespannt. Wir erschaffen uns dieses enge dunkle Kellerloch mit eingebauter Indiana-Jones-Todesfalle selbst, wenn wir Angst haben. Wir werden unser eigener Kerkermeister – und das manchmal sogar ganz wortwörtlich.

Viele, die unter einer Angststörung leiden, verkleinern ihren Lebensradius immer mehr und ziehen sich zunehmend in ihre eigenen vier Wände zurück, wo sie sich in vermeintlicher Sicherheit wähnen. Im eigenen kleinen Kellerloch scheint die Gefahr überschaubar zu sein. Man kennt jeden Winkel, während draußen ständig Unvorhergesehenes passieren kann. Die immer gleichen vier Wände vermitteln ein Gefühl von Vertrautheit und „Hier kann mir nichts passieren“.

Bis der miese Bösewicht die Falle aktiviert und uns unsere eigenen vier Wände zu zerquetschen drohen.

Auftritt Angst – Fliehen oder kämpfen?

Wenn wir Angst haben und in Panik geraten, übernimmt unser „Reptiliengehirn“ die Leitung in unserem Oberstübchen. Das ist der älteste Teil unseres Gehirns, in dem die Amygdala sitzt – sozusagen das Alarmsystem. Hier sind wir im Bereich der Reflexe und der Triebe unterwegs – nicht unpraktisch, wenn Gefahr droht. Denn dann entscheidet unser Gehirn in Bruchteilen von Sekunden ob jetzt eher Flucht angesagt ist oder ob wir kämpfen sollten. Nun ist die Angst leider ein unsichtbarer Gegner und besitzt damit einen Vorteil im Kampf. Deswegen lautet das Mittel der Wahl bei einer Angstattacke meistens: Fliehen! Nichts wie weg!

Doch in unserer Panik übersehen wir leider oft sehr viel. Es ist ein bisschen so, als wären wir der Tiger Shir Khan aus dem Dschungelbuch. Jemand hat uns eine Fackel an den Schwanz gebunden. Wir laufen in heller Panik vor dem Feuer davon und sehen nicht, dass wir es selber festhalten.

Die Angst ist in uns und sie wird uns folgen, egal wohin wir auch fliehen. Sie stöbert uns sogar im tiefsten und dunkelsten Kellergefängnis auf.

Challenge accepted!

Das wirklich Schlimme and er Sache ist nicht, dass wir Angst haben. Sondern dass wir uns selbst unsere Freiheit nehmen. Eingesperrtsein bedeutet nicht Sicherheit – der Feind ist ja immer dabei. Eingesperrtsein bedeutet Gefangenschaft. Das genaue Gegenteil von Freiheit. Und während Angst im Grunde trotz der beängstigenden Fratze nichts anderes ist als ein unangenehmes Gefühl, ist Gefangenschaft durchaus real und kann unserem Leben so viel Qualität entziehen, dass wir uns vielleicht irgendwann fragen: „Wofür eigentlich?“

Deswegen: Entscheide Dich ab heute fürs Kämpfen (liebes Reptilienhirn)! Du bist im Vorteil, denn Du kennst den Gegner eigentlich nur zu gut, auch wenn Du ihn nicht sehen oder greifen kannst.

Die Angst ist in Prinzip ein fieser Zauberer. Sie arbeitet mit Illusionen, die täuschend echt wirken. Doch wie bei jedem Zaubertrick ist es auch hier so: Wenn Du den Trick einmal durchschaut hast, ist der Zauber gebrochen.

Deswegen ist Deine Wunderwaffe das Hinschauen (oder wenn Du willst „Der Röntgenblick“ oder sowas). Der Zauberer von Oz hatte eine riesige Maschine, an der er nur ein paar Strippen ziehen musste und alle anderen sahen einen riesigen sprechenden Kopf mit smaragdgrünen Augen. Der Zauberer ist die Angst – du musst also hinter die Kulissen blicken, um zu erkennen, dass sie nur ein leidlich guter Trickbetrüger mit ein paar Hebeln und Knöpfen ist.

Ich behaupte nicht, dass es einfach ist. Aber es ist machbar.

Dein Zaubertrick zum Angstauflösen heißt:

Fordere den Worst Case heraus

Was ist das Allerschlimmste, was jetzt passieren könnte?

Dass Dich alle bei Deiner großen Präsentation auslachen?

Dass Dir Deine Angebetete einen Korb gibt?

Dass Du die Gehaltserhöhung nicht bekommst? (Oder den Job?)

Dass irgendjemand Dich nicht mehr mag oder Dich jetzt doof findet, wenn Du „Nein“ sagst?

Ich habe auch vor all diesen Dingen Angst. Wer nicht? Ablehnung kann das Selbstwertgefühl in Sekundenbruchteilen pulverisieren. Gemocht werden zu wollen ist uns in unsere Gene eingeschrieben. Nicht umsonst gibt es diese Albträume, in denen man nackend auf der Bühne steht und es alle sehen.

Aber es sind Illusionen. Zumindest so lange, bis wir den Vorhang heben und schauen, was wirklich dahinter steckt. Möglicherweise bekommst Du einen Korb. Aber sicher wirst Du es erst wissen, wenn Du es versucht hast.

Wenn Du es nun drauf ankommen lässt, Dich der Angst stellst, obwohl Du vor den möglichen unangenehmen Konsequenzen Angst hast, dann kann es durchaus sein, dass der Worst Case eintritt. Natürlich ist es möglich, bekloppte Dinge passieren und zwar andauernd (du kennst doch auch Murphy und sein berühmtes Gesetz).

Aber, was Du feststellen wirst, ist etwas, das Dich so viel stärker, freier und glücklicher machen wird, als wenn immer alles gut gehen würde. Nämlich:

Du kannst den Worst Case überleben

Wenn wir über etwas nachdenken, wovor wir Angst haben, brechen unsere Gedanken oft genau an der Stelle ab, an der es am Schlimmsten ist. Wir sehen vielleicht noch, wie das Kinn unseres Chefs zuckt und sich seine Augen verengen, nachdem wir es geschafft haben, ihn nach der Gehaltserhöhung zu fragen. Doch in dem Moment, in dem uns klar wird, dass er „Nein“ sagen wird, wird das Bild dunkel. Alarm! Katastrophe!

So ist es immer.

Oder noch eine Stufe schlimmer (das war zum Beispiel immer so mein Mega-Albtraum): Der Arzt sagt Dir, dass Du eine schlimme Krankheit hast. Die Szene bricht an dieser Stelle ab. „Game over“! Da ist so schlimm, dass Du es nicht ertragen kannst, also Schluss mit der Szene. Denkst Du.

Ich hatte vor ein paar Jahren „Titanic“ auf Video. Ich kann den Film mitsprechen – heute noch. Aber nur bis zu dem Punkt, an dem der Untergang beginnt. Denn da habe ich immer abgebrochen. Das wollte ich nicht sehen – und in diesem Fall wusste ich ja, was kommt. Aber schon als ich diese „Gefühlswelle“ aus der Ferne heranrollen sah, hab ich abgebrochen.

Aber das ist falsch falsch falsch!

Denn wenn der schlimmste Fall in der Realität eintritt, bricht die Szene nicht ab. Das ist nicht die endgültige Katastrophe. Kein Sperrbildschirm mit „Game over – next try?“

Würde der schlimmste Fall eintreten, würdest Du feststellen – zwangsläufig – dass die Welt sich weiter dreht und es doch weiter geht. Denn Du kannst es ertragen, ganz einfach, weil Du musst.

Menschen können sich den erstaunlichsten, schrecklichsten und unwürdigsten Zuständen anpassen, weil sie es müssen. Das muss nicht bedeuten, dass sie das gut finden oder immer gut wegstecken können. Aber sie können da durch, finden einen Überlebensmodus, arrangieren sich.

Wir sind hier in unseren Gefilden in der glücklichen Lage, dass unsere „Worst Cases“ in der Regel keine Gefahr für Leib und Leben sind. Ganz oft sind unsere „Worst Cases“ – runtergebrochen auf das Wesentliche – unangenehme Gefühle.

Zurückweisung. Versagensängste. Scham.

Und – erinnerst Du Dich? – Gefühle sind Räume. In unserem eigenen Haus. Wir können sie verlassen. Wir können sie überleben. Und wir können sie verändern.

Aber zunächst müssen wir uns trauen, diese Räume zu betreten, sie zu durchschreiten. Dafür müssen wir uns diesen „Worst Cases“ bzw. dem, was wir dafür halten, stellen und schauen, was wirklich passiert.

Frag‘ nach der Gehaltserhöhung! Egal, was passiert – Du hast dieses Erlebnis nun durchlebt und weißt beim nächsten Mal, wie es wirklich ist. Du wirst auf jeden Fall daran wachsen. Wissen ist Macht! Die Angst kann Dir nun nichts mehr vormachen.

Sprich‘ sie oder ihn drauf an, dass Du ihn oder sie gut findest. Es ist immerhin ein Kompliment! Und im Falle eines Korbes, erinnere Dich daran, dass das nichts über Deinen Wert aussagt. Immerhin weißt Du nun Bescheid.

Das Wichtigste aber ist:

Deine Freiheit wächst mit jedem „Worst Case“

Die Essenz dieser ganzen Sache ist: Mit jedem „Worst Case“, den du herausgefordert und überlebt hast, wirst Du freier. Du weißt, was Du alles tun kannst, was Du dich alles trauen kannst. Dann musst Du keine Angst mehr davor haben. Und irgendwann kommst Du auch dann, wenn wieder eine neue noch unbekannte Angst um die Ecke biegt, zu der Sichtweise:

„Ich hab schon so viel überlebt – das kriege ich auch noch in den Griff“.

 


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