Do what you can, with what you have, where you are.

Warum es nicht gut ist, die beste Version von sich selbst sein zu wollen

Warum es nicht gut ist, die beste Version von sich selbst sein zu wollen

Be a better version of yourself. Be the best version of yourself.

Das hört sich an wie: hoch, höher, am höchsten oder schnell, schneller, am schnellsten oder dünn, dünner, size zero.

Twitter, Facebook, Instagram und Konsorten sind voll mit solchen Darstellern. Wenn ich sowas sehe, frage ich mich als Normalo was ich falsch mache oder noch schlimmer, was falsch an mir ist. Diese Posts lösen in mir ein derart schlechtes Gewissen aus, dass es doch tatsächlich schon vorkam, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich nach einem stressigen Tag im Büro zu müde war, privat noch abartig produktiv zu sein.

Jetzt mal ernsthaft, warum muss man denn eine bessere oder noch schlimmer „die beste Version“ von sich selbst sein?
Da kommt auch schon die nächste Frage in den Sinn: Wann bin ich denn die beste Version? Wann bin ich die beste Luisa?

Wenn,

– ich jeden morgen um 5 Uhr aufstehe und mindestens 18 Stunden pro Tag mega-ultra produktiv bin?
– ich die Kar­ri­e­re­lei­ter unaufhaltsam und straight nach oben klettere?
– ich immer und zu jeder Zeit grinsend und glücklich durch die Welt spaziere?
– meine Ernährung tadellos, gesund und ethisch korrekt ist?
– mein Körper sportlich-weiblich durchtrainiert ist?
– ich die perfekte Partnerschaft und ein noch viel perfekteres Kind habe?
– ich die Welt transformiert, verbessert und selbstverständlich gerettet habe?!

Naja… Die Liste lässt sich wohl beliebig weiterführen.

Aber WENN das alles Realität wäre, was ist DANN?

Bin ich dann wirklich the best version of myself? Wer entscheidet denn eigentlich, wann ich die beste Version bin und was habe ich davon?

Entscheiden etwa andere darüber, wann ich endlich „vollkommen“ bin? Oder etwa doch ich selbst? Was ist denn, wenn ich kontinuierlich ein Häkchen auf meiner imaginären Liste machen kann, ich aber dennoch todunglücklich dabei bin? Todunglücklich, weil ich bei der ganzen Selbstoptimierung ganz vergesse, mal durchzuatmen. Durchatmen, weil ich merke, dass mein Köper es braucht. Nicht durchatmen, weil auf einer meiner ToDo-Listen ein Slot mit „Meditation“ vermerkt ist.

Also, the best version of yourself = Perfektion?

Die beste Version von sich selbst. Dass bis ins endlos optimierte Ich. Dieser Perfektionsgedanke treibt mich zur Weißglut.

Denn Perfektion macht, meiner Meinung nach, verbissen, unentspannt und unglücklich.

Ich verrate euch ein lang verschwiegenes und sehr bedeutsames Geheimnis. Gleich wird sich euer Leben für immer verändern… *Ironieoff* 😉
Es gibt keine Perfektion. Ja, so ist es.

Wenn ihr nämlich in einer Sache perfekt seid, dann wollt ihr darin noch perfekter werden. Wenn ihr ein Projekt perfekt abgeschlossen habt, dann wollt ihr das nächste Projekt genauso perfekt, wenn nicht noch perfekter, abschließen.
Wenn ihr in vielen Dingen perfekt seid, dann wollt ihr in den restlichen Dingen auch perfekt werden. Und auch eure Umgebung – euer Chef, eure Kollegen, eure Familie, sogar eure Freunde – werden den Maßstab ihrer Erwartungen an euch langsam aber sicher nach oben schrauben. Der Druck auf euch wächst, je „perfekter“ ihr werdet.

Und was passiert dann?
Ihr seid im Hamsterrad der Perfektion, im „best version of yourself“-Kreislauf gefangen. Ihr rennt und rennt. Ihr rennt etwas hinterher, was es gar nicht gibt.
Denn wer in einer Sache gut ist, ist eben in einer anderen Sache schlecht. Weil eben jeder Stärken und Schwächen hat.
Wenn ein Projekt gut lief, heißt das nicht, dass die nächsten Projekte auch so gut laufen werden. Ihr könnt nämlich gar nicht alles beeinflussen. Es wird nämlich immer mal Unvorhergesehenes passieren. Ihr werdet trotz aller Anstrengungen irgendwann einmal scheitern.

Genau, jeder scheitert einmal oder sogar mehrmals. Jeder ist nicht in allem gleich gut. Jeder hat Stärken. Jeder hat Schwächen.

Ich habe für mich beschlossen, nicht einem Ideal hinterher zu rennen, das es gar nicht gibt.
Ich habe für mich definiert: Ich muss nicht die beste Luisa werden. Mir reicht es vollkommen aus, wenn ich eine Luisa bin, die oft glücklich, oft effektiv und sich meistens ohne Vorurteile im Spiegel betrachten kann.



1 thought on “Warum es nicht gut ist, die beste Version von sich selbst sein zu wollen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*