Wie du negative Glaubenssätze entlarvst

Wie du negative Glaubenssätze entlarvst

„Am Anfang war das Wort“ – so steht es geschrieben. Tatsächlich sind Worte häufig der Anfang von etwas – Gutem und Schlechtem. Sie spielen eine große Rolle in unserem Leben, ob wir das nun wollen oder nicht. Worte prasseln aus dem Fernsehen auf uns ein und springen uns aus den sozialen Medien entgegen. Es wird auf uns eingeredet, es wird getratscht, geplaudert, geschnackt. Wir tragen unseren Teil dazu bei, bewusst und unbewusst. Auch reden wir pausenlos mit uns selbst. Und in der Regel glauben wir auch, was wir zu uns selber sagen. Daher macht es Sinn wenn das, was wir uns selbst (über uns) erzählen, nach Möglichkeit kein Bullshit ist.

Was negative Glaubenssätze mit uns anstellen

Ich habe schon immer ziemlich viel geredet. Und das war nicht immer unbedingt gut. „Ein Schnäuzchen wie ein Schwert“ – hat meine Mutter immer gesagt. Was bedeutet: Mein Gerede war unberechenbar. Es war nie vorauszusehen, ob ich als nächstes etwas Nettes, Altkluges oder Ungezogenes sagen würde. Mit der Zeit brachten mir meine Eltern zwar bei, was man zu anderen so sagen kann und wann man eher schweigen sollte. Aber wenn ich mit mir selber redete, war ich selten so vorsichtig. Oft nahm ich ungefiltert alles auf, was über mich so gesprochen wurde, vor allem aber das Negative. Wenn mich jemand kritisierte oder gar beleidigte, wiederholte ich diese Worte noch tagelang gebetsmühlenartig in meinen Gedanken, bis ich sie verinnerlicht hatte und für wahr hielt. Damit waren die Worte der anderen, so beleidigend sie sein mochten, zu sogenannten Glaubenssätzen geworden. Sätze, die ich glaubte. Auf diese Art formte ich nach und nach meine (gefühlte) Realität. Und die sah ziemlich düster aus.

„Setz‘ Dich doch einfach mal vor den Spiegel und mach‘ Dir Komplimente“ – ein semi-guter Rat, der damals an mich herangetragen wurde. Ich gab der Sache eine Chance. Mein Spiegelbild lächelte mir ein aufgesetztes Lächeln entgegen und behauptete, ich sei toll und hübsch. Ich glaubte kein Wort und kam mir dabei dämlich vor.

So einfach ist die Sache leider auch nicht. Ein paar halbherzige Komplimente, die wir unserem Spiegelbild entgegenmurmeln, können nicht einfach die Glaubenssätze ausradieren, die wir uns über eine lange Zeit einprogrammiert haben. Wir müssen sie hinterfragen.

„Du bist ein Wildschwein, du bist ein Wildschwein …“

In einem Asterix-Film sitzt Asterix einem Hypnotiseur mit Scheinwerferaugen gegenüber. Dieser blickt ihm fest in die Augen und fordert Asterix auf, ihm folgenden Satz nachzusprechen: „Ich bin ein Wildschwein.“ Und zwar so lange, bis dieser Satz verinnerlicht ist und Asterix sich folglich selbst für ein Wildschwein hält – es ist ein Test. Asterix geht nicht in die Falle. Ungerührt sieht er dem Hypnotiseur in die Augen und wiederholt: „Du bist ein Wildschwein. Du bist ein Wildschwein.“ Am Ende ist es der Hypnotiseur selbst, der grunzend auf allen Vieren durch den Raum galoppiert und sich für ein Wildschwein hält.

In einer ähnlichen Situation sind wir häufig: Andere wollen uns etwas über uns einreden, von dem sie entweder glauben es sei wahr oder das sie uns schlicht glauben machen wollen. Und viel zu oft gehen wir in die Falle. Halten uns für Wildschweine, die wir natürlich nicht sind (und wer weiß, was noch). Schluss damit!

Wie du negative Glaubenssätze aufspürst

Etwas, was definitiv wahr ist, würden wir nie infrage stellen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Erde nun eben doch rund ist und sich um die Sonne dreht – bewiesen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich existiere und gerade diese Zeilen schreibe – bewiesen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich zu blöd für Mathe bin – bew …. Moment mal!

Es ist schwierig, negativen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen, weil wir sie für genau so wahr halten, wie die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Wir halten sie für Tatsachen, obwohl sie keine sind. Das macht die Sache so tricky. Es gibt jedoch ein Erkennungsmerkmal, das alle negativen Glaubenssätze gemeinsam haben: Das Negative. Wenn wir einen negativen Glaubenssatz in unserem Hirn wälzen, fühlen wir uns nicht glücklich. Wir tanzen nicht frohlockend über Blumenwiesen, während wir uns sagen, dass wir in unserem Kleid wie ein Elefant aussehen. Unser Herz macht keinen Hüpfer, während wir darüber nachdenken, wie unfähig wir sind. Natürlich sind wir nicht immer glücklich, auch wenn kein negativer Glaubenssatz daran schuld ist. Es gibt traurige Dinge, die Tatsachen sind. Aber es gibt keine negativen Glaubenssätze, wo wir glücklich und mit uns im Reinen sind. Und das ist ein wichtiger Hinweis.

Die schlechte Laune am Schlafittchen nehmen

Kennt ihr das, wenn ihr morgens aufsteht und schon am liebsten alles kurz und klein schlagen wollt? Manchmal hängt über uns einfach eine miese dunkle Wolke, die uns auf Schritt und Tritt verfolgt. Manchmal kommt die schlechte Laune aber auch ganz plötzlich und wir wissen gar nicht so recht, warum. Genau das sollten wir uns aber fragen: Warum? Irgendeinen Grund gibt es immer (und wir schieben das jetzt hier mal nicht auf irgendwelche Hormone oder so). Und wir kommen ihm auf die Schliche, wenn wir – penetrant wie ein Kleinkind – immer weiter „Warum?“ fragen.

Keinen Bock auf Party heute.

Warum?

Hab keine Lust auf Menschen.

Warum?

Die nerven.

Warum?

Weil mich das anstrengt.

Warum?

Weil ich immer so tun muss, als wäre alles toll.

Warum?

Weil … bei denen auch immer alles toll ist und ich ja sonst wie ein Versager da stehe.

Warum?

Klar, die „Warum“-Fragerei legt erst mal den Finger in die Wunde. Aber sie ist auch ein ziemlich gutes Mittel, um den Kern der Sache aufzuspüren. Oft stoßen wir dabei auf einen Glaubenssatz, der sich in dem Moment, in dem wir ihn als solchen erkennen, schon in Luft auflösen kann.

Schlechte Gefühle sind also ein guter Hinweis. Auch präventiv, bevor wir das Ganze überhaupt erst als Glaubenssatz übernehmen. Immer wenn jemand etwas zu uns sagt, was negative Gefühle in uns wach ruft, können wir uns fragen, was dahinter steckt.  Will uns hier jemand einreden, dass wir ein Wildschwein sind? Kann das der Wahrheit entsprechen? Was spricht dagegen?

Es ist wichtig, dass wir Worte, die auf uns einprasseln, nicht ungefiltert in unseren Geist durchdringen lassen. Das erfordert Übung, aber es lohnt sich.

Wenn ich mich heute im Spiegel sehe, dann ist mein erster Gedanke zwar in der Regel auch nicht „Was bin ich doch so toll und hübsch“, aber im Großen und Ganzen bin ich inzwischen einverstanden mit meinem Gegenüber. Nicht immer, aber öfter und öfter.

Und wer mir etwas anderes einreden will, der ist selber ein Wildschwein.



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