Wie ich meine Gedanken änderte

Wie ich meine Gedanken änderte

Ich hatte meinen Schirm aufgespannt und lief nachhause. Es regnete. Sehr wohl konnte ich den Regen sehen, aber hören konnte ich ihn nicht. Meine Gedanken waren zu
laut. Meine Gedanken in meinem Kopf waren so laut, dass ich weder den Regen hören konnte, noch war ich in der Lage meine Umwelt zu registrieren.

Mir schossen viele Gedanken durch den Kopf. Viele dieser Gedanken begleiteten mich schon Monate wenn nicht schon seit Jahren. Doch leider waren diese Wegbegleiter
negative Gedanken. Gedanken wie: Ich dann das nicht! Aus mir wird niemals etwas! Warum haben die Anderen immer mehr Glück als ich? Das ist alles so unfair. Warum immer
ich? Was habe ich nur verbrochen? Immer ich!

Klar, hätte ich mir vieles anders gewünscht. Ich war gerade 15 als mein Vater seinen ersten Schlaganfall hatte. Einer von vielen. Eine von vielen Diagnosen die meine
Eltern im Laufe der Jahre sammelten. Leider.
Meine Klassenkameradinnen verbrachten ihre Freizeit damit sich zu schminken und fanden heraus, dass Jungs ja doch nicht so blöd sind. Ich dachte derzeit an ganz andere
Dinge. Was ist, wenn die Halbseitenlähmung nicht wieder weggeht. Hmm, er ist nun arbeitsunfähig. Wie wird sich mein oder unser Leben ändern? Was ist wenn ein
Schlaganfall so schlimm ist, dass er ein richtiger Pflegefall wird? Meine Gedanken glichen einer Negativspirale.

In dieser Zeit hatte ich mir anscheinend mein negatives Denken angeeignet. Durch meine „schwarze Brille“ konnte ich wenig schönes sehen. Sehr traurig aber leider wahr.

An dem eingangs besagten Tag kam mir ein Geistesblitz. Luisa, das sind deine negativen Gedanken. Einzig und allein deine Gedanken. Negative Gedanken, die ausschließlich
unglücklich machen.
Deine negativen Gedanken fühlen sich so derart lebendig an, obwohl sie nichts weiter als Gedanken sind. Warum versuchst du denn nicht einfach deine negativen Gedanken
gegen positive zu tauschen.

Denn schließlich hatte ich bereits sehr viel über positives Denken gelesen. Probiert hatte ich es jedoch noch nie. Bitte versteht mich nicht falsch. Meiner Erfahrung
nach, kann man durch positives Denken keinen Kummer oder gar Krankheiten heilen. Auf keinen Fall. Wenn man in einer tiefen Depression steckt, dann bewirken Kommentare
wie: „Ach, denk doch einfach mal positiver. Du siehst immer alles so negativ.“, rein gar nichts. Schlimmer noch. Sie können die Situation sogar verschlechtern.

Worauf ich hinaus will ist, warum konzentrieren wir uns immer auf das Schlechte und lassen dem Guten quasi keinen Raum?
Durch Gedanken wie „Ich kann das nicht“ vergessen wir ganz oft, was wir alles können und auch schon erreicht haben.

Damals als die Krankheitsgeschichte meines Vaters begann, dachte ich ständig: „Warum ich? Nichts läuft richtig in meinem Leben.“ Die Tatsache, dass ich trotz dieser
Umstände einen guten Schulabschluss absolvierte und meine beruflichen Ziele verfolgte, bekam keinen Raum in meiner Gedankenwelt. Niemals dachte ich: „Luisa, du kannst
so stolz auf dich sein. Wie du trotz allem dein Leben meisterst.“

Ich startete deshalb ein Experiment.

Ich wollte lernen positiv zu denken. Wollte meinen Fokus auf das Positive in meinem Leben lenken. Täglich überlegte ich mir, für
was ich alles dankbar sein kann. Was an dem Tag schön war. Diese Momente genoss ich in vollen Zügen. So hatten meine negativen Gedanken schlichtweg weniger Platz in
meinem Leben.

Wenn mich meine Negativ-Kassette sich doch mal wieder in meinem Kopf abspielte, schaltete ich auf meine positiven Affirmationen um. Ich wechselte also das Programm.

Mein kleines Experiment war für mich persönlich ein voller Erfolg. Ich konnte über die Monate hinweg beobachten wie sich meine Lebenseinstellung und auch meine
Ausstrahlung änderte. Ich fühle mich nun nicht nur glücklicher und vom Leben beschenkter, sondern ich stelle auch fest, dass ich wohl auch anders auf meine Umwelt
wirken muss. Es ist keine Seltenheit, dass mich fremde Menschen auf der Straße anlächeln oder mich ansprechen und mit mir ein paar Worte wechseln. Meine
optimistische Einstellung macht mich anscheinend nahbarer. Selbstverständlich habe ich Phasen in denen ich nicht positiv denken kann. Das war auch nicht mein
Ziel. Ich wollte meine negativen Gedanken und Gefühle nicht aus meinem Leben eliminieren. Denn negative Gedanken sind sehr wichtig. Denn negative Gedanken haben wir
hauptsächlich in Schwierigen Phasen und schwierige Phasen sind wichtig um zu wachsen oder die eingeschlagene Richtung zu ändern.

Ich wollte eher die destruktive Gedankenkette unterbrechen und meinen Fokus auf das Positive legen. Und ich bereue es nicht. Alles ist bunter, schöner und lebendiger.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr eher Optimisten oder Pessimisten? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir von eurer Gedankenwelt erzählt.

(Foto: pexels.com)



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