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#2018nofastfashion: Was der Verzicht auf neue Kleider mit meinem Leben macht

#2018nofastfashion: Was der Verzicht auf neue Kleider mit meinem Leben macht

Voller stolz kann ich nun sagen: Ich habe einen ganzen Monat lang nicht ein einziges neues Kleidungsstück gekauft und mich nur auf Second Hand-Klamotten beschränkt. Und was soll ich sagen: Am Ende des Monats konnte ich einen mittleren dreistelligen Betrag in die Reisekasse einzahlen.

Ich habe mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem überwältigenden Effekt, den mein neues Konsumverhalten auf mein Leben – und meinen Geldbeutel – haben würde. Für meine Begriffe hatte ich eigentlich überhaupt nicht sooo viel bestellt oder gekauft. Umso verdutzter war ich, als am Ende des Monats plötzlich doch noch einiges an Schotter übrig war. War ich am Ende doch so wie ein Alkoholiker, der sich selbst einredet, er brauche nur ab und zu einen Schnaps für die Nerven und das sei doch gar nicht so schlimm?

#2018nofastfashion – meine Challenges

Vier Wochen sind es nun, in denen ich weder einen Online-Shop durchstöbert, noch aus Langeweile einfach mal meinen Warenkorb gefüllt habe. Der kalte Entzug, den ich mir selbst verordnet habe, hat mich jedoch bislang weitestgehend mit Entzugserscheinungen verschont. Vielleicht sind vier Wochen auch noch zu früh für Langzeitfolgen. Aber ich will meinen Erfolg auch nicht kleinreden. Denn Verlockungen gab es schon:

1. Wenn Deine Shops bei Dir um Aufmerksamkeit betteln

Lange Zeit habe ich diesen drolligen Mechanismus von Zalando sehr geschätzt: „Ein Artikel von Deinem Wunschzettel ist im Sale“. Fast war es wie das Öffnen eines Adventskalendertürchens. Wie billig würde einer meiner Wunsch-Artikel nun wohl sein? Die Chance auf ein Schnäppchen hat bei mir ab und an zum absoluten Tunnelblick geführt. Was wenn jemand schneller wäre? Ich habe diese Mails nicht abbestellt, sie trudeln immer noch ein und ich schaue mir auch noch immer oft an, welcher Artikel wohl nun so unverschämt reduziert ist. Schwach geworden bin ich bislang nicht. Aber ich glaube, das liegt auch daran, dass meine Wunsch-Artikel gar nicht solche dringenden Herzenswünsche waren, wie ich dachte. Sonst hätte ich sie wohl auch sofort gekauft und sie nicht erst auf meinem seitenlangen Wunschzettel eingesumpft.

2. Wenn plötzlich „Shoppen-Gehen“ auf dem Programm steht

Mitte Januar waren mein Mann und ich auf einem Geburtstag mit Übernachtung in Frankfurt eingeladen. Der Gastgeber hatte ein ausgeklügeltes Programm ausgearbeitet, das auch „Aufenthalt in der Frankfurter Innenstadt“ vorsah. Alle anwesenden Weiblichkeiten waren sich schnell einig, dass sie unbedingt shoppen gehen wollten. Das Wort „Outlet“ fiel und ich nahm wahr, wie sich meine Atmung kurz beschleunigte. Ich weiß nicht, wie ich diese Challenge wohl gemeistert hätte, hätte ich für diesen Tag nicht ohnehin ein Yoga-Seminar gebucht gehabt. So konnte ich am Tagesprogramm leider nicht teil nehmen. Das hätte schief gehen können.

3. Das eine Teil, das Du unbedingt haben „musst“

Ich habe seit Monaten das Bild von einem lässigen Latzkleid im Kopf. In Schwarz oder in einem Pastellton. Ich hätte so gerne eins. Oder von mir aus auch eine Latzhose. Als ich noch kaufen „durfte“ hatte ich mir einmal eine bestellt, die ich dann doch zurückgeschickt habe, weil mich mein holder Gemahl mit seiner Aussage „das erinnert mich immer an Arbeitshosen oder nen Blaumann“ verunsichert hatte. Und nun kommt mir kein Second-Hand-Latzkleid vor die Flinte. Der Gedanke, einfach mal in einem Online-Shop zu schauen war da, zugegeben. Doch bislang ist es nicht geschehen.

4. Das Teil, dass Du wirklich brauchst

Manchmal gibt es sogar echte Not. Ich bin mit einer meiner liebsten olive/khakifarbenen Jeans an einem Nagel hängen geblieben und habe mir ein Loch rein gerissen. Nun habe ich nur noch eine schwarze und eine blaue Jeans (mit Blumen drauf, das heißt, die kann man nicht mal mit allem kombinieren) und welche mit Löchern drin, die im Winter natürlich nicht gehen. Nun fahnde ich nach Kräften nach einer neuen ähnlichen Hose und werde einfach nicht fündig. Daneben halte ich ständig nach gefährlichen Kanten und Nägeln in Wänden Ausschau. Wenn ich mir eine andere Hose kaputt mache, wird es richtig problematisch.

5. Der Frust, wenn die Klamotten nicht passen

Schöne Vintage-Lädchen sind hierzulande leider nicht so weit verbreitet. Ich muss jedoch auch gestehen: Im Januar hatte ich so viel zu tun, dass ich kaum Zeit hatte, mich wirklich kundig zum machen. Daher shoppe ich hauptsächlich auf eBay. Dabei waren leider auch einige Nieten. Der Höhepunkt meines Frusts war ein neues Outfit, in dem ich aussah wie Alice im Wunderland, die vom Kuchen genascht hat, der sie wachsen lässt – nur mit Hüftspeck. Ich hatte ein Oberteil und eine Hose von zwei Marken ersteigert, die ich noch nicht kannte und die Größenverhältnisse waren etwas anders. Das Oberteil war unfreiwillig bauchfrei und der Knopf der Hose ging nicht zu. Ich musste den Blick abwenden. Beides liegt nun im Wäschekorb der Schande, wo ich die Kleider sammle, die ich wieder verkaufen werde.

Meine kleinen und großen Siege

Nichtsdestotrotz: Die positiven Seiten haben im ersten Monat klar überwogen.

1. Man lernt seine Kleidung wieder richtig schätzen

Klingt frommer als es ist. Aber erst als meine geliebte Khaki-Jeans in Fetzen hing, wurde mir klar, wie sehr ich sie gemocht hatte. Nun achte ich besser auf meine Lieblingsteile. Es ist ein bisschen so wie früher. Da hatte ich als Kind dieses eine Kleid mit vielen kleinen pinken Herzchen, das ich am liebsten jeden Tag getragen hätte und an dem ich mich nicht sattsehen konnte. Soetwas gab es für mich lange nicht. In diesem Monat habe ich wieder emotionale Beziehungen zu meinen Lieblingssachen entdeckt. Auch wenn ich manche gehen lassen musste.

2. Welleneffekte

Obwohl ich mir nur vorgenommen habe, in Sachen Kleidung kürzer zu treten, hat sich mein neuer Konsumblickwinkel auch auf mein restliches Leben ausgebreitet. Vor kurzem war ich im Disneyland in Paris mitten im Merchandise-Himmel und konnte sowohl das niedliche Simba-Stofftier mit großen Augen als auch die Tassilo-Tasse ungekauft stehen lassen. Nicht mal die Tinkerbell-Kette hat mich schwach gemacht. Genausowenig wie der Sturmtruppler-Helm, der die Stimme umwandelt.

3. Die Reisekasse klingelt

Wie bereits erwähnt: Ich hatte am Ende des Monats richtig was übrig. Das passiert mir nicht so häufig. Damit war im Handumdrehen der Lissabon-Kurztrip wieder drin, den ich für April gebucht habe. Yeah!

Hier bin ich schwach geworden

Einmal hab ich gepatzt. Es war ungefähr so wie wenn einem erst klar wird, was man getan hat, nachdem man die ganze Schokoladensahnetorte mitsamt Geburtstagskerzen alleine vertilgt hat. Wir haben uns mit einem befreundeten Pärchen zu einer Faschingsfeier verabredet und bei Kostümen gehen leider die Pferde mit mir durch. Da muss alles passen. Und was soll ich sagen, ich habe mir im Überschwang der Gefühle ein Betty-Geröllheimer-Kostüm mit Perücke bestellt.

Nichtsdestotrotz: Der erste Monat ging flugs vorbei und vermisst habe ich die Shopperei eigentlich null. Warum auch? Ich habe bereits Unmengen toller Kleider! Und das beste: Ich habe endlich Platz in meinem Leben und in meinen Gedanken für Dinge, die von dauerhafterem und größerem Wert sind als Textilien. Zum Beispiel dieser Blog hier. Bücher. Reisen. Oder auch einfach nur Geld für meinen „Fuck-it-Fund“ (den Ausdruck hab ich von Conni Biesalski). Das ist das Geld, das ich spare, um irgendwann mal in die Selbständigkeit zu springen.

 

Hast Du Lust bei der Challenge mitzumachen? Die Aktion wurde von Lisa von meinfeenstaub ins Leben gerufen (neben #diydontbuy also alles selber nähen statt kaufen) und es hat sich schon eine ansehnliche Community von Mitstreitern gebildet. Schau einfach mal bei ihr vorbei und lass‘ Dich ein bisschen inspirieren, wenn Du magst. Falls Du bereits mitmachst, würden mich auch Deine Erfahrungen brennend interessieren. Wo wurde die Sache für Dich knifflig?



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