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Mit einer Reise fing alles an

Mit einer Reise fing alles an

Kürzlich griff ich an einem regnerischen Wochenendtag, zu einem Buch, welches sich schon seit Jahren ungelesen in meinem Bücherregal befand: Mit einer Reise fing alles an – Frauen erzählen„.
Bis dato hatte ich, warum auch immer, keine Muse dieses Buch zu lesen. Bis eben zu diesem Sonntag. Ich begann zu lesen und konnte gar nicht mehr aufhören. Die Kurzgeschichten der verschiedenen Frauen fesselten mich. Für alle war eine Reise der Neubeginn in eines neuen Lebens.

Das Buch erzählt u. a. von Anette, die nach vier Jahren endlich in einem Thailandurlaub schwanger wird. Oder von Marinda die all ihren Mut zusammen nimmt, ihren Job kündigt und durch Südamerika reist. Nach einer Trennung, Krankheit und weiteren Lebensturbulenzen fand Ulrike im Bayrischen Wald ein neues Zuhause. Bei Christine entpuppt sich ihr Urlaubsflirt aus Palma als große Liebe.

Die Auslöser für die Reisen und die Geschichten der Frauen sind augenscheinlich alle verschieden. Eins haben sie jedoch gemeinsam. Sie erwärmen das Herz, machen Lust auf´s Reisen und spenden Hoffnung.

Auch für mich sollte eine Reise vieles ändern.

Vor einigen Jahren war ich mit meinem Ex-Freund im Ausland unterwegs. Er war beruflich dort und ich bin kurzerhand mitgefahren. Während er bei seinem Meeting war, so war mein Plan, wollte ich im Hotelzimmer auf ihn warten und mich ein wenig ausruhen. Als er von meinem Plan hörte, war er entsetzte. Daraufhin quasselte er auf mich ein, dass ich das ja auf keinen Fall machen kann.

Naja… Was soll ich sagen? Ich ließ mich überzeugen und ging los.

Ängstlich und unsicher lief durch Antwerpen. Prägte mir jede Straßenecke haargenau ein, damit ich auch ja wieder zurück ins Hotel fand. An einen Kaffee in einem gemütlichen Café war nicht zu denken. Denn um ein Getränk zu bekommen hätte ich mir dieses auf Englisch (= einer Fremdsprache, die ich nicht fließend beherrsche = außerhalb meiner Komfortzone) bestellen müssen. Undenkbar! Also saß ich mich auf eine Bank, wartete einige Zeit und ging zurück zur Unterkunft.

Diese Stunden erschütterten mich. Ich war Mitte 20,  im europäischen Ausland unterwegs und ich stellte mich an, als wäre ich irgendwo auf einem anderen Planten, wo ich Angst um´s pure Überleben haben muss. Einfach krass. Geht gar nicht. Einige Zeit ging ins Land, aber der Gedanke alleine ins Ausland zu gehen, lies mich nicht los.
Ich war nach wie vor unsicher, aber ich wollte mich auch meiner Angst stellen. Meine Entscheidung traf auf eine Sprachreise in London. Zum einen, hatte ich den halben Tag eine sinnvolle Beschäftigung und war nicht komplett lost, zum anderen kann ich zumindest, wenn auch nicht fließend, auf Englisch kommunizieren. Außerdem ist London auch nur 1 Flugstunde von daheim entfernt.

Es war einfach fantastisch. Nichts konnte mich aus der Ruhe bringen. Selbst die Tatsache nicht, dass ich 2,5 h die Straße hoch und runter lief und meine Unterkunft suchte. Alle Menschen, die ich fragte schickten mich in eine andere Richtung. Als es dunkel wurde und sich Erschöpfung breit machte, sah ich ein Studentenwohnheim. Mein Plan war, ich frage die Rezeptionistin ein letzten Mal nach dem Weg. Ich ging rein, fragte nach und bekam zu hören: „Das ist hier. Wir warten schon auf dich.“  Waasss? Nein, nein, das muss ich ein Missverständnis sein. Ich suche diese Unterkunft und zeigte auf meine Reiseunterlagen. Der Name war schließlich ein komplett anderer. Wie dem auch sei, ich war in meiner Bleibe.  Erleichtert lies ich mich auf mein Bett fallen. Ich war so stolz auf mich, dass ich in solch einer Situation einen kühlen Kopf bewahren konnte.
Am nächsten Tag fing mein eigentlicher Urlaub an. Vormittags besuchte ich die Sprachschule und nachmittags erkundete ich völlig entspannt die Stadt. Ich lies mich einfach treiben. Das U-Bahn Netz war außerordentlich gut. Selbst wenn ich nicht wusste, wo ich gerade war, konnte ich mir schnell einen Überblick verschaffen.

Mein Fazit:  Ich konnte meine Sprachkenntnisse verbessern und meine Angst vorm alleine Reisen ablegen. Das gab mir eine unfassbare Freiheit. Denn nun bin ich nicht mehr darauf angewiesen, zu hoffen, das jemand mit mir in den Urlaub geht. Denn jetzt weiß ich, dass ich auch alleine klar komme und obendrein eine tolle Zeit verbringen kann. Es hat sich für mich mehr als gelohnt. 🙂

Geht es euch ähnlich? Reist ihr alleine? Was hält euch davon ab?

Bildquelle: https://www.pexels.com



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