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5 Gründe weniger zu kaufen und wie Du das schaffst

5 Gründe weniger zu kaufen und wie Du das schaffst

Einige, die mich kennen, werden jetzt wohl gleich in hämisches Gelächter ausbrechen, aber ich sage es trotzdem: Ich werde dieses Jahr keine neuen Klamotten kaufen. Oder genauer gesagt: Keine „Fast Fashion“. Oder in Social Media-Sprache: #2018nofastfashion.

Die Sache brennt mir schon eine Weile unter den Nägeln. Ein bisschen ist es wie in diesen Restaurants, in denen man sich den Hummer, den man verspeisen will, selbst in einem Aquarium aussuchen darf (nicht, dass ich das je getan hätte). Du weißt, es ist mies, aber es schmeckt so gut. Es schmeckt so gut, dass ich mich oft dabei ertappe, wie ich aus Langeweile in Online-Shops Klamotten in den virtuellen Warenkorb packe, um mir auf diese Weise ein kleines Glücksgefühlchen durch die Venen zu jagen. Kommt dann der Karton mit der Ware, weiß ich schon gar nicht mehr, was eigentlich drin war. Und oft behalte ich dann Klamotten, die nur in die Kategorie „ganz ok“ oder „irgendein Anlass wird sich schon finden“ passen, weil ich keine Lust habe, sie zurück zu schicken. Zu einem Großteil verschwinden die dann in meinem Schrank, wo ich sie kurz darauf wiederum vergesse. Das sorgt zwar hin und wieder für einen Überraschungseffekt, wenn ich den mal wieder durchstöbere und auf Kleider stoße, an die ich mich nicht erinnere, andererseits macht mir das auch klar: Ich besitze zu viel. Spätestens die Tatsache, dass ich fast meine komplette Tanzgruppe mit bunten Kleidern für „Mary Poppins“ ausstatten konnte, hätte mir zu denken geben müssen.

Wann ist viel zu viel?

Neulich führte mich mein Weg beim Joggen wieder durch die Grünanlagen, an denen die teuren Anwesen stehen. Die mit den Gittern vor den Fenstern und Türen. Wenn wir uns selbst hinter Gittern bringen, um unseren Besitz zu schützen, ist es das dann eigentlich noch wert? Wann ist es nicht mehr genug sondern eigentlich längst zu viel?

Nun, ich habe entschieden, dass zumindest für mich diese Grenze erreicht ist. Zum neuen Jahr hab ich mir etwas – für mich – recht Radikales vorgenommen. Ich werde (mindestens) ein Jahr lang keine neue Kleidung mehr kaufen. Das bedeutet im Klartext: Nur noch Second Hand. Ausnahmen erlaube ich mir lediglich bei Unterwäsche. Und auch hier will ich radikal à la Mari Kondo aussortieren: Nur, wenn ich es wirklich brauche oder wenn ich es wirklich, wirklich will. Und um mich hier nicht selbst zu sabotieren erlege ich mir zusätzlich die Regel auf: Habe ich es in den zwei Wochen nach dem Kauf nicht ein Mal angezogen, verkaufe ich die Klamotte wieder auf eBay.

Das könnte hart werden. Aber ich habe gute Gründe, um beim Konsum die Bremse reinzuhauen:

1. Besitz beschwert Dich

Wir spazierten vor zwei Jahren auf Bali einmal durch die Reisfelder mit unserem Guide Wayan, als ein Sportwagen mit ohrenbetäubendem Getöse auf einer nahegelegenen Straße vorbeiflitzte. Mein Mann drehte reflexartig den Kopf. „Das war ein Lamborghini!“ mutmaßte er und ein bisschen Bewunderung schwang in seiner Stimme mit. Wayan hingegen war gänzlich unbeeindruckt. Er habe kein Interesse daran ein teures Auto zu fahren, sagte er. Und: „I like it easy.“ Er sei zufrieden mit seinem kleinen Haus und seinem Auto (mit dem er ja immerhin sein Geld verdiente). Je teurer sein Besitz, desto mehr Stress hätte er schließlich auch. Es koste nur Zeit und Mühe den teuren Besitz dann auch gut abzusichern. Wenn er ein teures Auto habe, müsse er es auch immer in einem Top-Zustand halten. Während es niemanden störe, wenn seinem Toyota ein bisschen Straßenschmutz anhafte, so müsse ein Ferrari eben glänzen. Diesen Stress wolle er sich ersparen.

Und da sind wir auch wieder bei den teuren Häusern mit den Gittern vor den Fenstern. Je mehr Du besitzt, desto unfreier bist Du letztendlich. Desto mehr Zeit musst Du für Deinen Besitz aufwenden. Um ihn zu sichern, in Schuss zu halten oder im Falle meines Kleiderproblems: um Dich zu entscheiden, was Du anziehen willst.

Nun ist mein Besitz an sich nicht sehr wertvoll. Würde man aber zusammenzählen, wie viele Sümmchen ich in meiner Garderobe versenkt habe, dann könnte einem vielleicht schon schwindelig werden. Dazu kommen Dinge, die ich eigentlich noch gar nicht so richtig Besitze. Etwa die monatlichen Raten fürs Handy, die so bequem im Vertrag „verarbeitet“ sind. Und wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, dann kommt mir das alles auch ganz und gar nicht „easy“ vor. Und das bringt mich zu Grund Nummer 2:

2. Konsum verschlingt Dein Geld

Eigentlich sollte mir dieser Punkt stets in dem Moment zu Bewusstsein kommen, in dem ich meinen Geldbeutel zücke. Aber ich fürchte, diesen Punkt habe ich bereits überwunden. Ich habe mich immer nicht ohne stolz als jemanden bezeichnet, der Erlebnisse höher schätzt als Materielles. Es ist ein Fakt, dass ich Geldbeträge oft in Urlaub umrechne. Kostet etwas so viel wie ein Urlaub und sei es nur ein Kurztrip, dann neige ich dazu, es eher nicht zu kaufen. Das führt jedoch im Endeffekt nur dazu, dass ich eben viele billige Dinge kaufe (für die man zusammengenommen natürlich wiederum verreisen könnte, aber diese Tatsache fällt gekonnt meiner Selbsttäuschung zum Opfer). Und das ist vielleicht doppelt schlimm, denn:

3. Konsum bedeutet auch Verantwortung(slosigkeit)

Die Kleider, die ich in der Regel von diversen größeren Klamottenketten beziehe, sind in der Regel alles andere als fair produziert. Natürlich machen es einem die großen Firmen schwer die genauen Herstellungsprozesse zu durchschauen. Aber es ist schon genug an die Öffentlichkeit gesickert, um sich nicht länger dumm stellen zu können. Fast Fashion ist nur deswegen fast und billig, weil die Menschen, die sie herstellen noch billiger sind und noch faster dafür „verheizt“ werden. Genauso wenig wie ich den Hummer den Tod erleiden lassen möchte, weil ich Bock habe ihn zu essen, möchte ich, dass jemand meine Kleidung unter widrigsten Bedingungen herstellen muss. Damit will ich nicht die Moralkeule schwingen. Ich habe die Tatsache selbst lang genug erfolgreich ignoriert, obwohl ich eigentlich längst Bescheid wusste. (O-Ton: „Ich verdiene eben nicht viel Geld und liebe halt Mode – ich hab ja gar keine Wahl“). Aber ein reines Gewissen fühlt sich letztendlich doch besser und länger gut an , als der kurze Kick, den einem die neue H&M-Lieferung beschert. Ich kann nur dazu raten, es mal zu testen.

Mein Hauptgrund für meinen Entschluss ist jedoch ein sehr viel selbstbezogenerer:

4. Konsum hält Dich in Abhängigkeit

Wer sich den Wunsch nach Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat, so wie ich, der kann sich mit einem solchen Kaufverhalten eigentlich nur ein Bein stellen. Denn nicht nur, dass Besitz – wie in Punkt 1 beschrieben – unsere Zeit und Aufmerksamkeit erfordert, er hält uns langfristig auch im Hamsterrad gefangen. Am allerschlimmsten sind dabei Schulden in jeglicher Form. Jede verlockende Nullprozentfinanzierung, die wir abschließen, jede Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die wir nicht nutzen, jeder kleine Kredit ist ein weiteres Glied in der Kette, die uns an die Konsummaschinerie schmiedet. Und selbst, wenn wir keine Schulden haben, dann kann unsere Lust nach Kaufen selbst schon so groß sein, dass der Effekt der gleiche ist. Um diesem Konsumpensum und der Abtragung unserer Schulden nachzukommen, brauchen wir ein regelmäßiges und sicheres Einkommen. Das bedeutet, jedes berufliche Abenteuer, jede Neuorientierung, jeder Wunsch nach Selbständigkeit wird automatisch zum Risiko. Wollen wir uns aus diesem Kreislauf herausreißen, brauchen wir einen immer größeren finanziellen Puffer, um unsere Auslagen im Notfall weiter bedienen zu können. Das zu durchschauen wird uns außerdem denkbar schwer gemacht, denn:

5. Konsum ist eine Fata Morgana

In unserer Gesellschaft ist Besitz höchstanerkannt und der ständige Konsum absolut gewollt. Wir reden von Statussymbolen. Schon in der Schule flehte ich meine Eltern an, sie mögen mir bitte Adidas Superstars kaufen, weil die einfach alle hatten, die „cool“ waren. Ein Jahr später waren das Sneakers von Puma. Will sagen: Das Konsumkarussell dreht sich immer weiter. Kaum haben wir ein „In-Teil“ ergattert, wirft die Wirtschaft das nächste auf den Markt. In dem Moment, in dem wir endlich das langersehnte Produkt in Händen halten, verpufft das Glücksgefühl – es wird zur Fata Morgana. „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ hieß es mal in der Werbung. Und überhaupt Werbung. Es ist immens welche Summen Unternehmen in immer raffiniertere Werbung versenkt, die uns klarmachen soll, dass wir ohne Produkt X einfach nicht mehr leben können bzw. dass nur Produkt X uns wirklich, richtig glücklich machen kann. Unsere Gesellschaft hat diese Pille längst geschluckt. Nicht wer das teure Auto fährt, wird seltsam angeschaut, sondern wer einen alternativen Lebensstil pflegt. Und irgendwie ist da doch etwas faul.

Wie kannst Du weniger konsumieren?

Ich mag das Wort „Konsum“ eigentlich nicht. Irgendwas daran lässt mich die Augen rollen, aber ich glaube, das ist vor allem frühkindliche Prägung. Denn eigentlich beschreibt „Konsum“ genau das, was es ist. Kaufen, um zu verbrauchen. Um mehr zu kaufen. Um mehr zu verbrauchen. Es ist nicht die Anschaffung von nachhaltigen Dingen von Wert, um die es mir geht. Wie ein Haus beispielsweise. Oder eine Investition in eine Bienenzucht (falls das vielleicht schon immer dein Traum war). Sondern um dieses – Verzeihung – hirnlose Konsumieren von Dingen, die uns gar nicht nachhaltig glücklich machen (und obendrein sogar erheblichen Schaden anrichten, siehe Punkt 3).

Meinen Plan, diesem Wahnsinn zumindest in gewisser Hinsicht ein Schnippchen zu schlagen kennst Du nun. Du bist herzlich eingeladen, Dich bei #2018nofastfashion anzuschließen. Die Aktion hat Lisa von meinfeenstaub ins Leben gerufen neben #2018DIYdontBuy (also selber nähen anstatt kaufen) und ich finde die Idee mega.

Neben solchen „radikalen“ Challenges gibt es natürlich noch andere Kniffe, sich ein bisschen „zur Räson“ zu bringen. Vielleicht könntet Du bei Dir zu Hause mit Mari Kondos Ansatz „Brauche ich es wirklich“ und „Liebe ich es wirklich von Herzen?“ gründlich ausmisten und künftig nur noch nach dieser Maxime Neues kaufen? (Ich persönlich sehe hier aber auch eine Möglichkeit zur perfiden Selbstsabotage, weil ich mir einfach einreden würde, dass ich was-auch-immer wirklich, wirklich brauche bzw. liebe, daher ist hier sicherlich ein gerüttelt Maß an Selbstdisziplin vonnöten.)

Wenn Nachhaltigkeit für Dich ein Thema ist, limitiert das Deinen Konsum möglicherweise schon automatisch, wenn Du Dich dazu entschließt nur noch faire Produkte zu kaufen. Das allein ist schon eine ziemliche Herausforderung.

Wahrscheinlich hast Du schon eine Ahnung, was für Dich funktionieren könnte. Ich weiß, dass Kleider mein persönlicher wunder Konsum-Punkt sind, daher setze ich dort an. Du magst vielleicht einen anderen haben.

Hast Du vielleicht selbst noch ein paar Ideen oder Strategien, Dein Konsumverhalten in den Griff zu bekommen oder bist möglicherweise bereits seit längerem damit erfolgreich? Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn Du sie in den Kommentaren mit mir teilst.



4 thoughts on “5 Gründe weniger zu kaufen und wie Du das schaffst”

  • Ich glaube ein Jahr gar nichts Neues zu kaufen ist grade nichts für mich. Aber ich habe mich entschlossen, vieeel bewusster einzukaufen. Wirklich nur noch Klamotten zu kaufen, die fair produziert worden sind und die ich auch in 2 Jahren noch tragen möchte. Ein super Post!

    Liebste Grüße,
    Alina von Selfboost

    • Hey Alina!
      Ja nur noch faire Klamotten zu kaufen ist auf jeden Fall mein Langzeitziel. Sag Bescheid, wenn Dir mal ein cooles Label begegnet ;). Für mich gibts dieses Jahr jetzt erst mal kalten Entzug. Wobei, so schlimm ist es ja eigentlich gar nicht. Im Gegenteil sogar :).

      Liebe Grüße
      Christina

  • Ein sehr interessanter Beitrag zu Lisas Challenge! Ich habe mir vorgenommen auch mitzumachen und zwar durch eine Mischung von selber machen und Second-Hand/ Fair trade. Mein Beitrag dazu wird am Sonntag auf meinem Blog online kommen :).

    Liebe Grüße,
    Louisa

    • Hallo Louisa!

      Vielen Dank! Cool, da bin ich ja mal gespannt, wie das bei Dir dann alles wird. Ich hab vor Jahren auch mal mit dem Nähen angefangen, aber das ist nun glaube ich sogar wieder zehn Jahre her. Wäre eigentlich wirklich eine Gelegenheit, das mal wieder aufleben zu lassen.

      Liebe Grüße
      Christina

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